TCM by Jessica Noll

Heuschnupfen-was können wir tun?

Der Frühling naht, die Sonne scheint, Blumen bahnen sich ihren Weg an das Licht und….die Pollen fliegen….Es ist wieder Pollen- und damit Allergiezeit!

 

Was für die einen die Einleitung in die grüne und prachtvolle Jahreszeit ist, bedeutet für viele der Beginn von Leid. Allergiker, die unter Heuschnupfen leiden, haben es momentan nicht leicht. Vielleicht ist es nur eine verstopfte Nase oder etwas Niesen, doch wer sehr von der allergischen Rhinitis geplagt ist, leidet auch unter starker Erschöpfung. Kurzum, die Lebensqualität ist eingeschränkt. Auch Medikamente wie Anti-Histaminika helfen nur bedingt und können Nebenwirkungen wie Mattigkeit und Ermüdung bringen. Ein Grund mehr, sich dem leidigen Thema „Heuschnupfen“ aus Sicht der TCM zu nähern.

Allergie und TCM

Wie sieht also die TCM Niesen, laufende Nase und brennende Augen? Wie ja bereits bekannt, gibt es in der Chinesischen Medizin kein Synonym für westliche Erkrankungen. Vielmehr zählen auch hier die verschiedenen Symptome. Aus denen wird dann die Diagnose „gebastelt“ und eine Therapie erstellt. Was bedeutet also:

  • Juckreiz: Wind
  • Brennende Augen: Wind-Hitze
  • Gerötete Augen: Wind-Hitze, mehr Hitze
  • Laufende Nase, klares Sekret: Wind-Feuchtigkeit
  • Ständiges Niesen: Wind-Feuchtigkeit, mehr Wind
  • Verstopfte Nase, gelbes Sekret: Hitze

 

Soooo Müde….

 

Die oft begleitende Müdigkeit und Erschöpfung wird meist durch das schwache Lungen-Qi hervor gerufen. Bei Heuschnupfen-Patienten ist die Lunge (in der TCM) oft konstitutionell schwächer. Wenn das Qi der Lunge dann auch noch zu wenig Energie bereit stellt und der Pathogene Faktor „Allergie“ den Körper quält, kostet das viel Kraft. Auch die (TCM-) Milz ist an diesen Vorgängen meist beteiligt: So ist sie in der TCM für die Umwandlung von Feuchtigkeit zuständig. Bei ständig laufender Nase kann sie dieser Aufgabe nur noch schwer nachkommen. Und auch für die Überreaktion des Immunsystems auf die an sich harmlosen Pollen sind Lunge und Milz zuständig.

 

Was tun?

In der TCM wird die Behandlung in drei Phasen gegliedert: Zum einen, sollte in der Herbstzeit  (das Metall in den Wandlungsphasen) das Immunsystem gestärkt werden. Bewährt hat sich hier die Moxibustion, in Verbindung mit der Stärkung von Lunge und Milz. Meist sind nicht viele Akupunkturbehandlungen notwendig. In der Winterzeit (ca. 6 Wochen vor Ausbruch der Allergie) wird die Behandlung wieder aufgenommen, so dass Lunge und Milz bestens vorbereitet sind. Dann geht es in die Akutphase, welche von den typischen Symptomen des Heuschnupfens geprägt ist. Hier ist der Leidensdruck der Betroffenen sehr groß. Ausdiesem Grund wird besonders im ersten Jahr der TCM-Behandlung die Akupunktur intensiv genutzt, wobei die Kräuterheilkunde die Therapie ergänzt um soweit wie möglich Beschwerdefreiheit zu ermöglichen. Im zweiten Jahr hat sich der Körper oft bereits stabilisiert und benötigt nur noch ein wenig Unterstützung.

 

Und der Patient?

Sie haben es sicher schon geahnt: Lifestyle und Ernährung können den verlauf und die Ausprägung einer allergischen Rhinitis beeinflussen!

 

„Wir sind, was wir essen“

 

Hier gilt es vor allem die schleimbildenden Nahrungsmittel zu vermeiden, da diese die bereits geschwächten Organe Milz und Lunge zusätzlich belasten. Im Gegensatz dazu, stärken warme und regelmäßige Mahlzeiten das Qi. Mehr über die verschiedenen Nahrungsmittel bei Heuschnupfen und Hausrezepte erfahren Sie weiter unten.

 

Und: Stress reduzieren!

 

Dieser wirkt sich auf das ganze System aus, zum Beispiel auch auf das Zwerchfell und die Atmung. Wenn das Zwerchfell als Muskel verkrampft, kann der Atem nicht bis in den Bauchraum gelangen. In der TCM heißt es dann, dass die Nieren das Qi der Lunge nicht empfangen können, was eine Möglichkeit bei der Entstehung von Asthma ist.  Auch westlich wird ein Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Allergien gesehen, unabhängig davon, beeinflusst ein starker Heuschnupfen auch das psychische Wohlbefinden. Nun haben wir also einen Teufelskreis, da Stress, Allergie und Psyche aufeinander reagieren. Die Akupunktur und Entspannungstechniken wie Meditation oder ruhiges Yoga können helfen.

Akupunktur und Studien

Inzwischen gibt es eine hohe Zahl an Studien. Die OGKA (Österreichische Gesellschaft für  kontrollierte Akupunktur) hat auf der professionellen Ärzte-Studienbank eine Zusammenfassung erstellt und zusätzliche Kommentare zugefügt.

Besonders interessant ist hier die recht aktuelle Systematische Review von Yin et al. (2020), die neben der Akupunktur auch die Moxibustion ausgewertet haben. Diese zeigte bei Symptomen der Nase die höchste Effektivität, doch auch die Akupunktur wurde hier und ebenso für die allergische Konjunktivitis (die geröteten Augen) scheint hier nach den zitierten Wissenschaftlern erfolgreich zu sein.

Einen hohen Bekanntheitsgrad bei Studien über die Wirkung und Effizienz der Akupunktur bei Allergischer Rhinitis hat der Professor Benno Brinkhaus, der im Gesundheitsinstitut der Charite in Berlin forscht. Eine Veröffentlichung eines RCTs (Randomized Controlled Trial) zeigte einen reduzierten Einsatz von Antihistaminika bei begleitender Behandlung mit Akupunktur (Adam et al., 2018), sowie auch in Verbindung mit einer besseren Lebensqualität (Brinkhaus et al., 2013).

Abschließend bleibt zu sagen, dass viele Studien Einschränkungen auf Grund des für die TCM schwer anzuwendende Wiederholungsprinzip, des Studiendesigns oder der Teilnehmerzahl aufweisen. Mehr über Wissenschaft und TCM erfahren Sie in diesem Blog. Wünschenswert sind weitere und große, kontrollierte Studien, um die beobachteten Effekte zu bestätigen.

Nahrungsmittel:

Neben den allgemeinen Empfehlungen wird hier wieder nach dem Syndrom geschaut. Der TCM-Therapeut schaut hier auch auf die Zungen- und Pulsdiagnose, doch für einen Laien scheint das eher schwierig zu erlernen. Also stützen wir uns auf die Symptome, mit dem Ziel, die Allergiezeit etwas zu erleichtern.

 

Wind-Hitze: 

Frühlingszwiebeln, Stangensellerie, Wasserkastanie, Grüner Tee

 
Mehr Hitze:

Rettich, Löwenzahn, Tomate, Wassermelone

 
Mehr Kälte

Zwiebel, Ingwer

 

Schwäche

Shiitake-Pilze

Heuschnupfen

Neben den allgemeinen Empfehlungen wird hier wieder nach dem Syndrom geschaut. Der TCM-Therapeut schaut hier auch auf die Zungen- und Pulsdiagnose, doch für einen Laien scheint das eher schwierig zu erlernen. Also stützen wir uns auf die Symptome, mit dem Ziel, die Allergiezeit etwas zu erleichtern.

Wind-Hitze: 

Frühlingszwiebeln, Stangensellerie, Wasserkastanie, Grüner Tee

Mehr Hitze:

Rettich, Löwenzahn, Tomate, Wassermelone

Mehr Kälte

Zwiebel, Ingwer

Schwäche

Shiitake-Pilze

Rezepturen:

Brei mit Frühlingszwiebeln

20 Frühlingszwiebeln und 60 g Rundkornreis mit viel Wasser längere Zeit zu einem flüssigen Brei kochen und heiß einnehmen.

 

Kräuter-Tee:

Als einfacher Tee-Aufguss bietet sich eine Mischung aus

 

  • Fang Feng/Rasix Ledebouriellae Divaricatae/ Windschutzwurzel
  • Ju Hua/ Flos Chrysanthemi Morifolii/ Chrysanthemenblüte
  • Sang Ye/mori albae folia/ Maulbeerblätter
  • Gou Qi Zi/ Lycii Fructus/ Bocksdornfrüchte

an.

 

Bei milden Beschwerden oder präventiv jeweils 2-3 Blätter/ Früchte in einem Teeglas mehrmals täglich mit heißem Wasser aufgießen.

Bei stärkeren Beschwerden ein Dekokt herstellen: Die Kräuter im Verhältnis 1:1 (je 10 gr) etwas einweichen und dann ca. 10 Min. köcheln lassen. Über den Tag verteilt trinken.

 

Stimmverlust mit Hitze:

Saft aus Rettich und Ingwer:

250 g Rettich

30 g frischen Ingwer

auspressen und Saft vermischen. Kleinere Schlücke über den Tag verteilt einnehmen, vor dem Schlucken etwas im Mund behalten.

 

Quellen:

Engelhardt, U., & Hempen, C.-H. (1997). Chinesische Diätetik. Urban & Schwarzenberg.

Referenzen:

Yin, Z., Geng, G., Xu, G., Zhao, L. and Liang, F., 2020. Acupuncture methods for allergic rhinitis: a systematic review and bayesian meta-analysis of randomized controlled trials. Chinese Medicine, [online] 15(1), p.109. Available at: <https://cmjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13020-020-00389-9> [Accessed 29 Mar. 2022].

 

Adam, D., Grabenhenrich, L., Ortiz, M., Binting, S., Reinhold, T. and Brinkhaus, B., 2018. Impact of acupuncture on antihistamine use in patients suffering seasonal allergic rhinitis: secondary analysis of results from a randomised controlled trial. Acupuncture in medicine : journal of the British Medical Acupuncture Society, [online] 36(3), pp.139–145. Available at: <http://journals.sagepub.com/doi/10.1136/acupmed-2017-011382> [Accessed 29 Mar. 2022].

 

Brinkhaus, B., Ortiz, M., Witt, C.M., Roll, S., Linde, K., Pfab, F., Niggemann, B., Hummelsberger, J., Treszl, A., Ring, J., Zuberbier, T., Wegscheider, K. and Willich, S.N., 2013. Acupuncture in Patients With Seasonal Allergic Rhinitis. Annals of Internal Medicine, [online] 158(4), p.225. Available at: <http://annals.org/article.aspx?doi=10.7326/0003-4819-158-4-201302190-00002> [Accessed 29 Mar. 2022].

 

Yang, Y.-Q., Chen, H.-P., Wang, Y., Yin, L.-M., Xu, Y.-D. and Ran, J., 2013. Considerations for Use of Acupuncture as Supplemental Therapy for Patients with Allergic Asthma. Clinical Reviews in Allergy & Immunology, [online] 44(3), pp.254–261. Available at: <http://link.springer.com/10.1007/s12016-012-8321-3> [Accessed 29 Mar. 2022].Choi, S.M., Park, J. ‐E., Li, S. ‐S., Jung, H., Zi, M., Kim, T. ‐H., Jung, S., Kim, A., Shin, M., Sul, J. ‐U., Hong, Z., Jiping, Z., Lee, S., Liyun, H., Kang, K. and Baoyan, L., 2013. A multicenter, randomized, controlled trial testing the effects of acupuncture on allergic rhinitis. Allergy, [online] 68(3), pp.365–374. Available at: <https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.12053> [Accessed 29 Mar. 2022].

 

Brinkhaus, B., Hummelsberger, J., Kohnen, R., Seufert, J., Hempen, C.-H., Leonhardy, H., Nogel, R., Joos, S., Hahn, E. and Schuppan, D., 2004. Acupuncture and Chinese herbal medicine in the treatment of patients with seasonal allergic rhinitis: a randomized-controlled clinical trial. Allergy, [online] 59(9), pp.953–960. Available at: <https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1398-9995.2004.00540.x> [Accessed 29 Mar. 2022].Hauswald, B. and Yarin, Y.M., 2014. Acupuncture in allergic rhinitis. Allergo Journal International, [online] 23(4), pp.115–119. Available at: <http://link.springer.com/10.1007/s40629-014-0015-3> [Accessed 29 Mar. 2022].

 

Feng, S., Han, M., Fan, Y., Yang, G., Liao, Z., Liao, W. and Li, H., 2015. Acupuncture for the treatment of allergic rhinitis: a systematic review and meta-analysis. American journal of rhinology & allergy, [online] 29(1), pp.57–62. Available at: <http://journals.sagepub.com/doi/10.2500/ajra.2015.29.4116> [Accessed 29 Mar. 2022].

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