TCM by Jessica Noll

Akupunktur

Die Akupunktur ist eine Säule der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Die TCM ist eine über 2000 Jahre alte medizinische Heilmethode, in der durch die Nadelung von spezifischen Punkten des Körpers die körpereigenen Heilungskräfte aktiviert werden. So kann die Gesundheit wiederhergestellt werden und langfristig erhalten bleiben. Der menschliche Organismus wird dazu angeregt, dass eigene Gleichgewicht wiederherzustellen. Unter Akupunktur versteht man klassischerweise auch die Regulation des Qi, der Lebensenergie. Diese fließt durch ein energetisches Netzwerk von Kanälen im Körper. Diese Kanäle oder Meridiane, Leitbahnen verbinden nicht nur die Akupunkturpunkte, sondern auch so genannte innere Verläufe. Über diese findet eine Verbindung zu den inneren Organen statt.

 

So ermöglicht uns die Akupunktur über Punkte am Körper auf die inneren Organe einzuwirken. Vorstellen kann man sich das Ganze wie bei einem Lichtschalter: das Stromkabel ist unser Kanal: die Leitbahn. In diesem Fall kann man den Strom mit dem Qi vergleichen. Ziel ist es, Energie (Elektrizität) zu der Glühlampe zu bringen. Das tun wir über den weiter entfernten Lichtschalter.

 

In den letzten Jahren hat die Akupunktur insbesondere bei der Behandlung von Schmerzzuständen an Bedeutung gewonnen. Zuletzt entstand viele positive Aufmerksamkeit durch die Opioid-Krise in den vereinigten Staaten.

 

Doch aus Sicht der TCM sind die Möglichkeiten der Behandlung viel weiter gefasst. Der Schwerpunkt der TCM liegt vor allem bei chronischen Störungen. Hauptziel ist immer die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Körper wieder in Balance zu bringen. Die chinesische Medizin behandelt jedoch immer den ganzen Menschen und keine einzelne Störung oder Erkrankung. Es kann zum Beispiel sein, das westliche Diagnose Migräne gestellt wird. Auch wenn sich die Symptome einer Migräne meist ähneln sind sie doch nicht immer gleich. Auch die Ursachen können vielfältig und unterschiedlich sein. Aus diesem Grund sollte auch die Therapie individuell angepasst werden. So wird mittels  Akupunktur auch die Ursachen der Erkrankung behandelt. Ziel ist eine langfristige Beschwerdefreiheit und Gesundheit.

 

Auch wenn in Deutschland weiterhin nur wenige Behandlungsmöglichkeiten der Akupunktur wissenschaftlich anerkannt sind, steigt doch die Anzahl der Studien über evidenzbasierte Akupunktur stetig.

 

Alleine die wissenschaftliche Datenbank PubMed wies im März 2021 über 500 Studien zur evidenzbasierten Akupunktur vor (Quelle: Österreichische Gesellschaft Für kontrollierte Akupunktur; https://ogka.at/studien/).

 

In unserer Praxis verstehen wir unsere Arbeit als integrativ. Das heißt, dass wir wissenschaftliche Erfolge und Ergebnisse mit der traditionsreichen und erfahrungsbasierten Chinesischen Medizin kombinieren.

 

Moxa

In der TCM gehören Akupunktur und Moxibustion als „Zhen Jiu“ zusammen. Zhen ist die Nadeltherapie, Jiu bedeutet übersetzt „Brennen“ und bezeichnet hier eine Kombination aus Heilkräuter- und Wärmetherapie.

 

Doch keine Angst: Bei der Moxibustion wird in der Regel ein Abstand zur Haut gesichert. Es bleibt also bei einer angenehmen Wärmeentwicklung. Das hilft, die Durchblutung zu fördern und zu entspannen.

 

In der TCM ist das Moxen besonders wichtig, um wieder mehr Energie und Kraft zu schaffen. Hier werden spezielle Punkte sanft erwärmt und die Wirkung ist oft sofort spürbar. Wir setzen diese Therapie meist ergänzend zur Akupunktur ein, z.B. bei Kälte, Erschöpfung, einem schwachen Immunsystem und Kinderwunsch.

 

In unserer Praxis wenden wir verschiedene Formen der Moxibustion an- ganz individuell auf Sie abgestimmt. Außerdem sorgen ein spezielles Absauggerät und ein zusätzlicher HEPA-Luftfilter für gesunde Luft und weniger Rauchentwicklung im Raum.

Gua Sha – eine besondere Schabetechnik 

Des Öfteren erklären wir unseren Patienten, dass die Chinesische Medizin zwar nahezu nebenwirkungsfrei ist, aber dennoch nicht unbedingt der Vorstellung von „sanfter Medizin“ entspricht. Dies wird bei der Anwendung der Behandlungstechnik „Gua Sha“ durchaus deutlich: Auch wenn die Empfindung und der Schmerzgrad sehr unterschiedlich ausfallen, sind doch alle Patienten zu Recht irritiert beim Anblick der rötlichen „Striemen“ am Rücken.

Was bedeutet Gua Sha?

Gua bedeutet wörtlich übersetzt „reiben“ oder „schaben“, Sha beschreibt den Zustand der Veränderung der Hautoberfläche. Diese Methode stammt aus der Volksheilkunde und wird fast im ganzen asiatischen Raum seit Jahrhunderten angewendet um Krankheiten zu behandeln. Der Name der Schabetechnik variiert dabei in den verschiedenen Ländern.

Traditionell wird mit einem abgerundeten Tierhorn, Porzellanlöffeln oder Jadescheiben auf der eingeölten Haut gerieben, bis sich auf der Hautoberfläche kleine Petechien ergeben. Durch weiteres Schaben werden die Areale der Petechien größer und eher dunkelrot. Praktischer als traditionelle Hilfsmittel haben sich die Deckel von Einweggläsern erwiesen, da die abgerundete Kante eine optimale Form aufweist. Behandelt wird entlang der Meridiane und meistens am Rücken und im Schulter-Nacken-Bereich. Theoretisch kann jedoch am ganzen Körper geschabt werden.

Wann wird Gua Sha angewendet?

Die Indikationen für diese Schabetechnik sind sehr unterschiedlich und reichen von Muskelverspannungen und Blockaden über Fieberzustände, chronische Erkrankungen, akute Infekte und vieles mehr.  Für den Therapeuten entscheidend ist, dass sich durch einfaches Drücken auf der Hautoberfläche eine Rötung bildet- die Indikation für tieferliegendes „Sha“. Nicht angewendet werden sollte Gua Sha bei ausgesprochener Schwäche/Leere des Patienten und Verletzungen der Hautoberfläche.

Wie wirkt Gua Sha?

Durch das Reiben der Haut wird die Durchblutung der Muskeln und besonders auch des Bindegewebes angeregt. Bei Steifheit und Schmerzen des Bewegungsapparates ist oft eine sofortige Besserung zu spüren. Im Falle einer „Blutstagnation“ tritt das Blut aus dem Gewebe heraus und regt so die Neubildung von Blut und die Zirkulation der Körperflüssigkeiten an. Sichtbar wird dieses durch die entstandenen Petechien.

Bei akuten Erkrankungen wird durch Gua Sha der eingedrungene „pathogene Faktor“ über die Oberfläche nach Außen transportiert und  die Heilung beschleunigt. Wenn dieses nicht geschehen ist, kann nach chinesischer Sicht das Pathogen tiefer eindringen und den Organismus längerfristig stören (chronische Erkrankungen). Durch wiederholtes Schaben kann die Ausleitung des Erregers unterstützt werden.

Die Abwärtsbewegung während der Behandlung hilft zusätzlich bei Husten und Asthma um das Qi der Lunge wieder abzusenken. Auch Hitze zum Beispiel bei einer Neurodermitis wird gekühlt. Durch die verbesserte Zirkulation können auch Stoffwechsel-Endprodukte oder aufgenommene Schadstoffe leichter abtransportiert und im Gegenzug Nährstoffe besser aufgenommen werden.

Was sollte der Patient noch wissen?

Wie schon erwähnt, sind die Empfindungen sehr unterschiedlich: besonders bei Blutstagnation wird der Schmerz als eher unangenehm und bohrend beschrieben, insgesamt ist die Behandlung an sich selten angenehm, jedoch gut auszuhalten. Die „Erleichterung“ und Verbesserung im Nachhinein dafür umso deutlicher!

Am Behandlungstag sollte viel getrunken und noch geruht werden. Direkte Sonneneinstrahlung, Wind und körperliche Belastungen sollten vermieden werden.

Mehr Informationen können sehr anschaulich in dem Buch „GUA SHA“ von Arya Nielsen nachgelesen werden:

https://www.naturmed.de/produkt/gua-sha-nielsen-a-2/?highlight=arya

Das Schröpfen

Das Schröpfen ist eine Technik der Volksmedizin, die in verschiedenen Kulturen der ganzen Welt seit Jahrhunderten angewendet wird. Hierbei wird ein hohes Gefäß mittels eines Vakuums auf die Hautoberfläche gebracht. Der entstandene druck ist so abhängig von der Hitze und von dem verwendeten Material.

Ursprünglich wurde viel Tiere einer verwendet. In der chinesischen Medizin gibt es auch nach wie vor viele Bambusgefäße zum Schröpfen. Heute ist eine Vielzahl von Materialien möglich, zum Beispiel Glas oder medizinisches Silikon. Durch das Schröpfen wird die Durchblutung des Gewebes verbessert. Dadurch erhöht sich die  Stoffwechselleistung und die Lymphzirkulation wird verbessert.

So hat das Schröpfen auch eine stärkende und schmerzlindernde Wirkung.

Ernährung

In China stellt die Ernährungslehre eine Säule der chinesischen Medizin dar. Der Stellenwert der Diätetik ist hier sehr hoch. Grundsatz ist, dass die Ernährung wirkungsvoll aber auch schmackhaft ist.

 

Aus Sicht der TCM ist Ernährung wichtig als Grundlage zur Bildung des Qi, der Energie. Speziell das nachgeburtliche Qi benötigt Nahrungsmittel als Energiequelle. Wichtig ist auch eine Veränderung der Bedürfnisse im Lebenszyklus wahrzunehmen. Ernährungsgewohnheiten und Bedarf ändern sich je nach Konstitution, Jahreszeiten und der individuellen Situation. In China wird die Ernährung oft mit Heilkräutern kombiniert. Bei Bedarf verschreiben wir auch TCM- Kräuter als Nahrungsmittel. Aber auch hier steht die Individualität jeder Person deutlich im Vordergrund. Es gibt keine Ernährungshinweise, die für alle Personen die gleiche Wertigkeit haben.

 

 

Die von mir verordneten Mischungen von Heilkräutern aus dem Arzneimittelrepertoire der chinesischen Materia Medica werden in China seit etwa 2000 Jahren systematisch verordnet und angewendet. Lehrbücher aus dieser Zeit sind z.B. das Shang Han Lun und das Ben Cao Gang Mu. Vor Kurzem wurde die Ausgabe 2010 der offiziellen Chinesischen Pharmakopöe in chinesischer Sprache publiziert. Sie gilt in China seit dem 1. Juli 2005. Diese Ausgabe beschreibt 551 Einzelarzneien.

In deutscher Sprache wird das „Arzneibuch der chinesischen Medizin“ (Monografien des Arzneibuchs der VR China 200, 2005 und 2010) übersetzt, erweitert und kommentiert von Dr. Erich A.Stöger, Deutscher Apotheker Verlag, ISBN 978-3-7692-5641-3.

 

 

Diese Rezepturen wurden individuell verordnet und zusammengestellt. Die Basis bilden in der Regel tradierte und bewährte Kombinationen aus mehreren Arzneimitteln. Diese sind z.T. als Fertigarzneimittel und traditionelle Heilmittel in Europa seit mehr als 15 Jahren im Verkehr. Sie entsprechen den Qualitätkriterien, die für die Registrierung in der Europäischen Union (EU) gemäss der Richtlinie 2001/83/EC erforderlich sind.